„Vielen fällt es schwer, darüber zu sprechen“ – die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 5. Mai 2022
Porträtbild Heidi Volkmann, Personalleiterin bei der Bornemann-Etiketten GmbH

„Vielen fällt es schwer, darüber zu sprechen“ – die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Drei Fragen an Heidi Volkmann, Personalleiterin bei der Bornemann-Etiketten GmbH, Wuppertal

Beim Familienunternehmen Bornemann-Etiketten aus Wuppertal wird das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit langem großgeschrieben. Die Pflege und Betreuung von Angehörigen gehören selbstverständlich dazu. Ein Gespräch mit der Personalleiterin Heidi Volkmann.

 

Was kennzeichnet die Pflege von Angehörigen im Unterschied zur Kinderbetreuung?

Ein Pflegefall tritt häufig ganz plötzlich auf, zum Beispiel als Folge eines Schlaganfalls oder einer anderen schweren Erkrankung. Die oder der betroffene Mitarbeitende muss akut reagieren – genauso wie das Unternehmen. Niemand kann vorhersagen, wie lange die Situation andauert. Auch psychisch ist der Unterschied groß: Ein Kind bedeutet Aufbruch und Neuanfang, eine pflegebedürftige alte Mutter bedeutet Abschied und Tod. Vielen Beschäftigten fällt es schwer, darüber offen zu sprechen. Denn das sind private Sorgen und Emotionen, die Überforderung mit der notwendigen Bürokratie und Zukunftsangst.  

Wie unterstützt Ihr Unternehmen diejenigen Beschäftigten, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern?

Bornemann-Etiketten ist ein Familienunternehmen schon in der dritten Generation. Bei uns gilt „Familie geht vor Beruf“ – und das heißt, dass wir die Beschäftigten so gut wie möglich dabei unterstützen, ihre Familienaufgaben wahrzunehmen, sei es in der Kinderbetreuung, sei es bei der Versorgung der hilfsbedürftigen Eltern. 
Für die Beschäftigten in der Verwaltung kommen vor allem bewährte Maßnahmen wie Gleitzeit und Homeoffice in Frage. Aber wir finden auch für die Beschäftigten in der Produktion individuelle Lösungen. Da heißt es, flexibel zu sein, eine gute Vertretung zu organisieren und zusammenzuhalten. Das Ganze ist ein Geben und Nehmen. Wir bekommen viel Dankbarkeit zurück.

Im sensiblen Bereich von Pflege und Beruf ist es auch hilfreich, sich persönlich auszutauschen. Persönliche Gespräche in Online-Mittagspausen gaben den Anstoß, dass ich in unserem internen Newsletter einen Aufruf zu einer Art „Selbsthilfegruppe“ gestartet habe. Wir nutzen unsere guten Kontakte und finden in unserem Netzwerk immer wieder gute Beratung. Aktuell treffen sich bis zu vier Mitarbeitende, die sich um ihre alten Mütter oder Väter kümmern und Infos und Tipps austauschen oder einfach nur mal reden. Das nutzt oft mehr als Flyer und Websites.

Was raten Sie anderen Unternehmen?

Über die Jahre hat sich meine Einstellung geändert. Habe ich früher vor allem nach dem Befinden der pflege- oder hilfsbedürftigen Eltern gefragt, frage ich heute zuerst: „Wie geht es dir?“ Meine Aufmerksamkeit gilt vor allem derjenigen Person, die sich um die Betreuung und Pflege kümmert und die diese belastende Aufgabe in ihrem normalen Alltag stemmen muss. Mein Rat: Schauen Sie da genau hin. Wichtig ist es zu sprechen, damit wir erfahren, wie wir der Person am besten den Rücken freihalten und Druck wegnehmen können. Dabei ist es sicher hilfreich, dass wir als Familienunternehmen mit 55 Beschäftigten ein persönliches Verhältnis zu den Mitarbeitenden haben – man kennt sich.

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familie@beruf.nrw.de

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