Vereinbarkeit von Familie und Beruf – was lehrt der Lockdown?

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 11. Dezember 2020
Prof. Irene Gerlach

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – was lehrt der Lockdown?

Der erste Lockdown im März war gezwungenermaßen ein Testlauf für neue Formen der flexiblen Arbeitsorganisationen. Was können Unternehmen daraus mitnehmen, um die Vereinbarkeit dauerhaft zu stärken? Sechs Tipps von Professorin Irene Gerlach vom Forschungszentrum Familienfreundliche Personalpolitik an der Universität Münster (FFP).

 

Tipp 1: Die Gunst der Stunde nutzen
Heute ist die Chance größer denn je, dass Arbeitgeber die Vorteile des mobilen Arbeitens stärker erkennen und einen guten Mix zwischen mobilem Arbeiten und Präsenz im Betrieb möglich machen. Seit dem Frühling haben sich einige Routinen schon eingespielt, Kommunikationsabläufe, organisatorische Struktur und technische Infrastruktur sind häufig vorhanden. 

Tipp 2: Neue Gewohnheiten etablieren
Trotz aller Erfolge des Homeoffice gibt es eine wachsende Zahl von Beschäftigten und Unternehmen, die sich wieder vermehrt einen persönlichen Kontakt mit ihren Kolleginnen und Kollegen und die Rückkehr zu gewohnten Arbeitsroutinen wünschen. Das gilt besonders für diejenigen, die komplett im Homeoffice arbeiten. Hier können die Betriebe z.B. wochenweise Wechselmodelle einführen. 

Tipp 3: Ergebnisorientiertes Arbeiten fördern
Die permanente Erreichbarkeit im Homeoffice – ob tatsächlich erwartet oder unterstellt – kann zu Überforderungen führen. Unterstützen Sie Ihre Beschäftigten dabei, zeitliche Zäsuren zu setzen und ergebnisorientiert zu arbeiten. Ebenso sind Führungskräfte gut beraten, keine permanente Anwesenheitskontrolle auszuüben, sondern Vertrauen gegenüber den Beschäftigten aufzubauen.

Tipp 4: Vereinbarkeitsorientierte Arbeitszeitmodelle
Die große Mehrheit der Unternehmen bietet Maßnahmen der Arbeitszeitflexibilisierung an. Dazu zählen individuelle Arbeitszeitmodelle, Vertrauensarbeitszeit sowie Gleitzeit- und Teilzeitregelungen. Hinzu kommen nach Bedarf Sonderurlaub oder die Freistellung im Betreuungsnotfall sowie in einem Teil der Unternehmen der Einsatz der schon bestehenden Kooperationen mit Familien- und Haushaltsservices z. B. für Notbetreuungsprogramme. Bei den Beschäftigten mit Familienverantwortung kann es notwendig sein, die Voraussetzung der Erreichbarkeit sowie Arbeits- und Schichtpläne unter Berücksichtigung der Betreuungs- und Pflegeverantwortlichkeiten anzupassen. 

Tipp 5: Gute Führung auf Distanz
All diese Maßnahmen und Veränderungen in der innerbetrieblichen Arbeitsorganisation erfordern regelmäßig gute Information und Kommunikation, sowohl top/down wie auch innerhalb der Teams und Belegschaften. Unterstützen Sie insbesondere Führungskräfte dabei, „auf Distanz“ zu führen und nach innen gut zu kommunizieren – denn das ist manchmal eine große Herausforderung, insbesondere wenn zuvor eher auf Kontrolle und Präsenz gesetzt wurde.

Tipp 6:  Familienbezogene Unterstützung nutzen
Die Politik hat die familienbezogenen Unterstützungsmaßnahmen mit Ankunft der „Zweiten Corona-Welle“ verlängert und ausgeweitet.  Dazu gehören u. a. ein Entschädigungsanspruch für Verdienstausfälle bei behördlicher Schließung von Schulen und Kitas für Eltern bis zu zehn Wochen, zusätzliche zehn Kinderkrankentage für 2020, die Sicherung eines warmen Mittagessens in Schule oder Kita für Kinder aus bedürftigen Familien (als Anpassung der Leistungen für Bildung und Teilhabe) sowie der vereinfachte Zugang zum Kinderzuschlag und der angepasste Berechnungsmodus beim Elterngeld. Nutzen Sie die Angebote und klären Sie Ihre Beschäftigten darüber auf.

Zur Person: Prof. Dr. Irene Gerlach ist wissenschaftliche Leiterin des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) an der Universität Münster und Professorin für Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule R-W-L in Bochum. 

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familie@beruf.nrw.de

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