Motivation und Zusammenhalt im Corona-Winter – was können Arbeitgeber und Führungskräfte tun? Drei Fragen an Kommunikationsexpertin und Coach Tatjana Pape

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 11. Dezember 2020
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Motivation und Zusammenhalt im Corona-Winter – was können Arbeitgeber und Führungskräfte tun? Drei Fragen an Kommunikationsexpertin und Coach Tatjana Pape

Vereinbarkeit im Corona-Winter: Viele Beschäftigte sind wieder im Homeoffice. Die Schulen bleiben offen, aber immer wieder kommt es zu Quarantäne-Situationen, die spontan organisiert werden müssen. Kontaktbeschränkungen belasten das soziale Leben. Eine andauernde Herausforderung für die Beschäftigten, aber auch für Unternehmensleitungen und Führungskräfte. Was können sie tun, um Motivation und Zusammenhalt zu stärken? Wir haben mit Kommunikationsexpertin und Coach Tatjana Pape gesprochen.

 

Zusammenhalt im Betrieb – das ist sicher mehr als die virtuelle Kaffeepause. Wie bleibt man in Verbindung?

Gemeinsame virtuelle Pausen sind ein wertschätzendes Mittel, um jenseits der fachlichen Themen ins Gespräch zu kommen – aber sie sollten gut dosiert eingesetzt und ergänzt werden. Nicht jeder verbringt seine Mittagspause gern vor dem Bildschirm oder hängt abends ein Stündchen dran, um im Kollegenkreis ein digitales Feierabendbier zu trinken.

Führungskräfte sind die Seismographen der Organisation. Um gerade in diesen Zeiten auf Distanz wirksam zu werden, in Kontakt mit den Beschäftigten zu bleiben und deren Bedürfnisse zu verstehen, braucht es eine tiefergehende Aufmerksamkeit. 

In digitalen Meetings hat sich zum Beispiel bewährt, dass jede/r Teilnehmende obligatorisch zu Beginn einen kurzen „Wetterbericht“ zum beruflichen und freiwillig auch persönlichen Status Quo gibt. So kommt jeder zu Wort und es lässt sich bei Bedarf als Aufhänger für ein individuelles Gespräch zu zweit im Anschluss nutzen. Neben der Fähigkeit, Mitarbeitenden diese Räume einzurichten, brauchen Führungskräfte ein hohes Maß an Empathie, um vertrauensvolle Nähe aufzubauen. Es gilt - im Analogen wie im Digitalen - die richtigen Fragen zu stellen, genau hinzuhören oder zu schauen und auch mal die eigene Gefühlslage transparent zu machen. Eine wesentliche Grundvoraussetzung andere mitzubekommen ist, dass Führungskräfte auch auf sich selbst achten, sich wahrnehmen und reflektieren. Sie stecken in derselben angespannten Lage und müssen die Herausforderungen der Pandemie meistern.

Ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in dieser Zeit ein Stressfaktor?

Beruf und privat verschwimmen gerade nochmal mehr. Das Thema Vereinbarkeit erreicht damit eine neue Dimension und kann auf beiden Seiten – bei der Unternehmensleitung wie bei den Beschäftigten – Stress auslösen, weil es als zusätzliche Belastung empfunden wird. Es kann aber gerade entlastend sein, diese Bewältigung als gemeinsame Aufgabe zu definieren. Zusammen schauen sich Führungskräfte und Beschäftigte die Situation an und finden strukturelle und individuelle Lösungen für die/den Einzelnen, zum Beispiel durch Anpassungen der Arbeitszeit, Umverteilung von Aufgaben oder Tausch von Urlaubstagen. Eine moderierte Lösungsfindung im Team durch offene Kommunikation schafft mehr Verständnis für die unterschiedlichen Lebenssituationen – das kann helfen, Teamgeist zu entwickeln und zu stärken und gleichzeitig das Stressempfinden aller Beteiligten zu reduzieren. 

Führen in belastenden Situationen bedeutet, immer wieder Möglichkeiten für Austausch zu bieten. Da reicht manchmal schon eine feste Stunde pro Woche als Raum für Reflexion und kollegialen Austausch. So kann auch mal im Team schnell auf eine Quarantäne mit Kindern zu Hause oder vorgezogene Weihnachtsferien reagiert werden. Das schafft positive Momente, die Mitarbeitenden erleben sich dabei als Gestaltende und kommen raus aus der Opferrolle. 

Was ist Ihr vorläufiges Fazit nach neun Monaten im Corona-Modus?

Die digitale Ausstattung am Arbeitsplatz ist das eine, die kommunikative und sozial-emotionale Kompetenz das andere: Die persönliche Kommunikation ist und bleibt der Zement, der die Menschen im Unternehmen über die Monate zusammenhält. Unternehmen, die schon vor der Pandemie an ihrer Kommunikationskultur gearbeitet haben, fällt es leichter, den Dialog auch über digitale Kanäle fortzuführen. Das Positive ist, es ist nie zu spät, damit anzufangen. Wenn ein Unternehmen sich jetzt gut aufstellt, kann es sich langfristig stärken und Krisen rechtzeitig auffangen. Mehr noch: Die Gewissheit über die Möglichkeiten der Mitgestaltung, um schnell und flexibel bei Veränderungen zu agieren, lässt die Mitarbeitenden Stabilität in der Unsicherheit erleben.

Zur Person: Tatjana Pape ist Kommunikationsberaterin,Trainerin und Coach in Hürth bei Köln. Weitere Informationen finden Sie hier.

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familie@beruf.nrw.de

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