Kinderbetreuung während der Corona-Pandemie

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 28. Januar 2021
Vater liegt auf dem Bauch auf dem Boden, zwei Kinder sitzen daneben, alle spielen mit Bausteinen und Spielzeugfiguren

Kinderbetreuung während der Corona-Pandemie: Väter holen allmählich auf

Der Alltag in der Corona-Pandemie ist vor allem für Eltern herausfordernd. Durch die erneuten Schul- und Kitaschließungen sind viele von ihnen gezwungen, die Kinderbetreuung nach Hause zu verlegen. Studien aus dem ersten Lockdown zeigen: Die Hauptlast lag zwar nach wie vor bei den Müttern, aber die Väter haben sich überproportional mehr um ihre Kinder gekümmert.

 

Das väterliche Engagement während des ersten Lockdowns haben u. a. Professorin Michaela Kreyenfeld von der Hertie School und ihr Team untersucht. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass bei der fairen Aufteilung der Betreuungszeit eine langsame Verbesserung zu erkennen ist aber Frauen immer noch den Großteil übernehmen: Im April und Mai 2020 verbrachten Frauen durchschnittlich 9,6 Stunden täglich mit der Betreuung ihrer Kinder, bei den befragten Vätern waren es immerhin 5,5 Stunden. 

Laut dieser Studie hat die Kinderbetreuungszeit der Väter damit im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen: 2019 verbrachten Väter in Deutschland jeden Tag durchschnittlich 2,8 Stunden mit ihren Kindern. Für Studienleiterin Kreyenfeld ist es schwierig, die langfristigen Folgen der Krise abzuschätzen, dennoch deutet sich ihrer Meinung nach eine Art Fahrstuhl-Effekt an. 

Interessant sei vor allem, welche Berufsgruppen ihr Verhalten während der Corona-Krise verändert haben. Vor der Pandemie waren es vermehrt Männer aus akademischen Berufen, die vergleichsweise viel Zeit mit ihren Kindern zuhause verbrachten. Doch im Frühling 2020 blieben vermehrt Väter mit niedrigeren Bildungsabschlüssen zuhause, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Mögliche Gründe dafür könnten sein, dass es in diesen Berufsgruppen verstärkt Kurzarbeit gegeben hat und viele Frauen in systemrelevanten Jobs arbeiten.  

Mehr Partnerschaftlichkeit bei der Kinderbetreuung

Dass während der Corona-Krise die Geschlechterunterschiede bei der Verteilung der Betreuungsarbeit innerhalb von Familien geringer geworden sind, wird auch in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung deutlich: „Die Zahlen zeigen, dass sich die Väter seit März 2020 zeitlich deutlich stärker in der Familien- und Erziehungsarbeit engagieren.“

Ähnliche Ergebnisse liefert die Studie „Neue Chancen für Vereinbarkeit“ von Prognos im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Paare mit Kindern teilten sich die Aufgaben in Haushalt und Kinderbetreuung im ersten Lockdown partnerschaftlicher auf. Fast zwanzig Prozent der befragten Eltern gaben an, dass die Aufgabenteilung bei ihnen durch die Corona-Pandemie gerechter geworden sei. 

Die Forscherinnen und Forscher von Prognos befragten außerdem Unternehmerinnen und Unternehmer aus Deutschland. Eine Mehrheit von ihnen sprach sich für eine aktive Vaterschaft und gegen eine Retraditionalisierung der Elternrollen aus. Branchenübergreifend stimmten 78 Prozent der Aussage (eher) zu, dass die Krise gezeigt hätte, wie wichtig die Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung ist und dass nicht nur Mütter ihre Arbeitszeiten reduzieren sollten.

Prof. Irene Gerlach: Die wichtigsten Player sind die Arbeitgeber

Auch Professorin Irene Gerlach vom Forschungszentrum Familienorientierter Personalpolitik (FFP) hat zu diesem Thema geforscht. Wir haben sie gefragt: 

Wie lässt sich vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Pandemie die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf weiter verbessern?

„Die Corona-Krise hat in vielen Bereichen bewiesen, dass die zuvor bei manchen Arbeitgebern noch bestehende Skepsis gegenüber Vereinbarkeitsmaßnahmen wie Homeoffice oder Vertrauensarbeitszeit weitgehend nicht berechtigt ist. Das dürfte auch Wirkungen auf die zukünftige Gestaltung des Arbeitslebens haben. Die wichtigsten „Player“ sind hier die Arbeitgeber, die von der Politik durch Wissens- und Kenntnisvermittlung, durch Förderprogramme wie das zur Einrichtung von Betriebskitas oder andere Maßnahmen unterstützt werden sollten. Wichtig sind vor Ort individuell verhandelte passgenaue Konzepte und Maßnahmen. Und noch etwas muss sich ändern: Es gilt das „Attitude- oder Mind-Behavior-Gap“ zu überwinden, das heißt die Differenz zwischen der Einstellungsebene und der tatsächlichen Umsetzung bei den Geschlechtsrollen. Der NRW-Familienbericht hat gezeigt, dass ein Großteil der in Partnerschaft lebenden Elternteile in NRW es ideal findet, wenn beide Partner gleich viel erwerbstätig sind und sich in gleichem Maße um Haushalt und Familie kümmern, aber nur eine Minderheit lebt tatsächlich so.“

Hintergrund-Informationen

Was ist Care-Arbeit?

Care-Arbeit umfasst alle Arten von Sorgetätigkeiten – das bedeutet, der Begriff bezieht unbezahlte und bezahlte sowie professionelle und private Sorgearbeit oder auch ehrenamtliche Arbeit und Erwerbsarbeit ein. Noch immer ist Care-Arbeit weiblich konnotiert, sowohl im privaten, unbezahlten Bereich als auch im professionellen. 

Care-Arbeit in der Kinderbetreuung

2019 haben Frauen in Paarbeziehungen mit einem Kind bis elf Jahren knapp sieben Stunden täglich in die Kinderbetreuung investiert, Männer knapp drei Stunden. Bei der Hausarbeit wendeten im Jahr 2016 Frauen mit einem Kind unter sechs Jahren ca. 2:20 Stunden auf. Männer investierten mit 47 Minuten nur etwa ein Drittel der Zeit. 

Care-Arbeit in der Pflege 

Gut vier Prozent der Männer aber sieben Prozent der Frauen zwischen 16 und 64 Jahren pflegen mindestens eine Stunde pro Werktag. Oder anders ausgedrückt: Frauen leisten unter der Woche durchschnittlich 2,8 Stunden Pflege, bei den Männern sind es 2,1 Stunden, was bedeutet, dass der Unterschied zwischen dem von Frauen und Männern in der Pflege geleisteten Care-Aufwand deutlich geringer ist als bei der Kinderbetreuung.

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Informationen

Mehr dazu auf

familie@beruf.nrw.de

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