Jahreskongress Vereinbarkeit: Familienfreundlichkeit, Integration und Vielfalt – Erfolgsgaranten für einen starken Mittelstand

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 5. Februar 2020
Andreas Bothe mit Teilnehmenden im Gespräch

Jahreskongress Vereinbarkeit: Familienfreundlichkeit, Integration und Vielfalt – Erfolgsgaranten für einen starken Mittelstand

Der Jahreskongress Vereinbarkeit des NRW-Familienministeriums ging am 16. Januar 2020 der Frage nach, wie Vereinbarkeit, Integration und Vielfalt für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zum Erfolgsfaktor werden kann. Fest steht: Auf gute Vorbilder kommt es an – auch in der Führungsetage.

 

Familienminister Joachim Stamp wies in seiner Impulsrede eindringlich darauf hin, dass das Modell des männlichen Alleinverdieners mit geringfügig zuverdienender Ehefrau ausgedient habe: „Diese Zeiten sind vorbei“, sagte der Minister. Immer mehr Frauen und zudem deutlich mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund sorgten bereits jetzt dafür, dass die Belegschaften in nordrhein-westfälischen Betrieben immer bunter würden, so Stamp.

„Die Unternehmen müssen ihre Arbeitskultur weiterentwickeln, brauchen mehr Vereinbarkeit und mehr Diversität“ betonte Stamp. Denn nur so könnten sie den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen und den Fachkräftemangel abschwächen. Im Rahmen der neu gegründeten „Allianz für Vielfalt und Chancengerechtigkeit“ stellte der Minister zudem eine Servicestelle für kleine- und mittelständische Unternehmen in Aussicht, die bei der Umsetzung von Diversity-Management unterstützen und Möglichkeiten aufzeigen soll.  

Good Practice: Von anderen Unternehmen lernen

Der Jahreskongress chancen-durch-vereinbarkeit hatte sich in diesem Jahr thematisch breit aufgestellt, um neben der Vereinbarkeit auch dem Aspekt Diversität gerecht zu werden: In Fachforen zu „Diversity-Kniffs“ und „Arbeitsmarkintegration“ erhielten die Teilnehmenden von Expertinnen und Experten Tipps und Informationen zu zahlreichen Fragen rund um die Vorteile und Herausforderungen vielfältiger Belegschaften und individueller Lebensentwürfe. Good-Practice-Beispiele kleiner und größerer Unternehmen zeigten, wie Vereinbarkeit und Diversität nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis möglich und gut umsetzbar sind. 
 

 
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Jahreskongress Vereinbarkeit 2020
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Im Rahmen der Fachforen demonstrierte das Tandem von ERGO und der Unternehmensgruppe Pietsch eindrucksvoll, wie ein mittelständischer Arbeitgeber von den Erfahrungen eines großen Versicherungsunternehmens profitieren und dabei zugleich auf seine eigenen Stärken setzen kann. Begleitet durch das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) Münster konnten die Verantwortlichen ein Führungskräfte-Handbuch erarbeiten, das umfassend über familienfreundliche Personalmaßnahmen informiert. Der Leitgedanke: Nur wenn die Führungsebene Haltung zeigt und Familienfreundlichkeit selbst vorlebt, fühlen sich Beschäftigte ermutigt, ebenfalls die Möglichkeiten der Vereinbarkeit auszuschöpfen, die sich ihnen bieten.

Außerdem berichtete Anna Yona, Gründerin des Unternehmens wildling shoes, von der Arbeitsweise ihres Unternehmens, bei dem alle Mitarbeitenden deutschlandweit von zuhause aus arbeiten.

Mit Vereinbarkeit und Diversität Talente binden

Im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel zog sich das Thema des „Wettbewerbs um die besten Talente“ wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Damit KMU im Wettstreit um gute Fachkräfte – die bei nicht erfüllten Bedürfnissen in Sachen Vereinbarkeit häufiger den Arbeitgeber wechseln – nicht das Nachsehen haben, sind Kreativität und Innovationskraft gefragt.
 

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Jahreskongress Vereinbarkeit 2020

In der Talkrunde mit NRW-Staatssekretär Andreas Bothe zum Thema „gute Unternehmenskultur“ wurden einige gute Maßnahmenbeispiele präsentiert. So berichtete Isabell Welpe, Professorin an der TU München, unter anderem von kreativen Ansätzen zur Personalbindung in anderen Ländern, zum Beispiel in Form einer wöchentlichen Hausreinigung. Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts (WIFU) für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke, sprach unter anderem über das Konzept Family Employment, also die Anstellung eines weiteren Familienmitglieds im Unternehmen. Auf diesem Wege können speziell in ländlichen Regionen Fachkräfte gefunden und gebunden werden. 

Vorbildfunktion – auf das Verhalten der Führungskräfte kommt es an

Matthias Weber vom Völklinger Kreis (Bundesverband schwuler Führungskräfte) betonte in der Talkrunde, dass der Kulturwandel in Unternehmen vor allem vom Verhalten der Unternehmensführung abhängig sei. Die Öffnung hin zu größerer Diversität geschehe gerade bei KMU oft aus der Not heraus. Letztlich sei für eine erfolgreiche und zufriedenstellende praktische Umsetzung aber entscheidend, was Führungskräfte ihrer Belegschaft vorlebten.

Staatssekretär Andreas Bothe wies am Beispiel der abnehmenden Präsenzkultur darauf hin, dass der Kulturwandel in Unternehmen bereits spürbar sei. So werde seit Anfang des Jahres im Familienministerium, dem er als Amtschef vorstehe, regelmäßiges mobiles Arbeiten für alle Beschäftigten ermöglicht, was einen großen Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstelle. Isabell Welpe gab überdies zu bedenken, dass neben den Unternehmen auch der Staat gefragt sei, Anreize zu setzen – zum Beispiel im Bereich des Steuerrechts. 

Das anschließende Get-together bot den Teilnehmenden von Unternehmen, Behörden und Verbänden die Möglichkeit, sich im Hinblick auf die während der Veranstaltung erlebten Eindrücke und Beispiele noch einmal angeregt auszutauschen. Alle waren sich einig: Vereinbarkeit und Diversität werden die Unternehmenskultur weiter prägen. Nur wer bereit ist, sich zu entwickeln, von anderen zu lernen und Kompromisse zu finden, ist für die Zukunft gerüstet.  

 

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Informationen

Mehr dazu auf

familie@beruf.nrw.de

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