„Es kommt auf die persönliche Haltung an“

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 3. November 2021
Porträt Elke Maria Alberts, Büro für Soziale Architektur in Bielefeld

„Es kommt auf die persönliche Haltung an“

Elke Maria Alberts leitet das Büro für Soziale Architektur in Bielefeld. Im Jahr 2014 wurde sie von der Initiative „FRAUEN unternehmen“ zur Vorbild-Unternehmerin ernannt und hat sich in dieser Rolle zum Ziel gesetzt, Frauen zur beruflichen Selbstständigkeit zu ermutigen. Im Interview berichtet sie, wie sie Arbeit und Privatleben zusammenbringt.

 

Frau Alberts, warum haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden?

Für mich hatte diese Entscheidung etwas mit der Grundeinstellung zum Leben zu tun. Ich hatte es im Gefühl. Ich war mir immer sicher, dass ich den Weg der Selbstständigkeit gehen möchte. Wer ein Architekturstudium beginnt, steuert in der Regel von Anfang an auf dieses Ziel hin. Aus meiner damaligen Sicht gab es nur zwei Möglichkeiten: die Selbstständigkeit oder die Anstellung in einem Amt. Dass es noch mehr dazwischen gibt, hat dann später erst die Erfahrung gezeigt. 

Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Vorteile der Selbstständigkeit?

Der größte Vorteil ist, dass man das Maximum an Gestaltungsfreiheit für sein eigenes Leben hat. Wer sich für die Selbstständigkeit entschließt, der entscheidet sich dafür, sein Leben komplett selbst in die Hand zu nehmen.

Wie wirkt sich das auf die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf aus?

Ein großer Vorteil ist, dass ich mir meine Zeit freier einteilen kann. So konnte ich heute zum Beispiel, weil Ferien sind, bis 9:00 Uhr mit meinen Kindern frühstücken. Ich kann mich auch durchaus vormittags mal in der Schule engagieren. Andererseits muss ich gegebenenfalls spontan wichtige Termine wahrnehmen und kann die Wunschtermine meiner Kinder nicht erfüllen, obwohl ich es am Vortag versprochen habe. Als alleinige Chefin bin ich außerdem nach den Geburten meiner Kinder nicht in eine monatelange Elternzeit gegangen, da ich weiterhin Mitarbeiterverantwortung trug. Sie mussten ja weiterhin bezahlt werden und dafür braucht es neben der Betriebsleitung natürlich auch die Leistungserbringung und deren Abrechnung bei meinen Bauherren. Sobald man eine Betriebseinnahme erzielt, erhält man allerdings kein Elterngeld mehr. Die einzige Lösung war, das Kind einfach mit ins Büro zu nehmen. Selbstständigkeit bedeutet auch, dass das Privatleben nicht immer flexibler gestaltet oder dafür sogar mehr Zeit “freigeschaufelt“ werden kann. Es kommt aber auch hier auf die persönliche Haltung an: Wenn ich selbstständig sein und eine Familie haben möchte, dann muss ich eben alles unter einen Hut bringen. 

Was hilft Ihnen dabei?

Meine Selbstständigkeit mit Kindern funktioniert nur, weil ich einen absolut gleichwertigen Partner habe. Die Care-Arbeit liegt eher auf seinen Schultern als auf meinen. Wir stimmen uns viel ab und teilen uns gut auf. Während des Lockdowns haben wir zum Beispiel täglich einen fliegenden Wechsel gemacht: Ich war bis 15:00 Uhr zu Hause, dann hat er übernommen und ich habe bis nachts gearbeitet. 

Selbstständigkeit bedeutet in Ihrem Fall auch, die Verantwortung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tragen. Wie ermöglichen Sie Ihrem Team Vereinbarkeit?

Ich habe acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zwei davon sind Mütter. Im Grunde gestehe ich ihnen dieselben Rechte zu wie mir. Wenn es notwendig ist, können die Kinder mit ins Büro kommen. Auch flexible Arbeitszeiten sind bei uns selbstverständlich. Gemeinsam haben wir lange diskutiert, ob wir eine Kernarbeitszeit wollen und uns dafür entschieden, dass zwischen 10:00 und 15:00 Uhr alle erreichbar sein sollten. Aber auch das ist verhandelbar, wenn im individuellen Fall etwas dagegenspricht.

An vieles musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. Ich komme aus einer Generation, in der Architektinnen und Architekten mehr oder weniger rund um die Uhr gearbeitet haben. Die Welt funktioniert aber heute einfach anders. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen andere Lebensentscheidungen, stellen weitere Interessen gleichwertig neben die beruflichen und haben dafür neue Arbeitszeitvorstellungen. Ich lerne da ständig dazu.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die über eine Selbstständigkeit nachdenken?

Ich versuche jungen Frauen immer zu vermitteln, dass die Selbstständigkeit auch mit Familienleben möglich ist. Meine Botschaft: Wenn Ihr die Selbstständigkeit als Euren Weg betrachtet, dann geht diesen Weg und lasst Euch nicht von unsicheren Gedanken bezüglich zukünftiger Familienplanung beeinflussen. Es geht darum, wie ihr euer Leben gestalten möchtet. Wenn ihr euren Weg geht, wird sich schon zeigen, wie es funktioniert. Und es funktioniert!

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familie@beruf.nrw.de

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