„Es gibt nicht eine Lösung, die für alle passt“

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 23. Dezember 2021
Porträtbild Jörg Pohlmann, Personalleiter bei der Plantag Coatings, Detmold

„Es gibt nicht eine Lösung, die für alle passt“

Ein Gespräch mit Jörg Pohlmann, Personalleiter bei der Plantag Coatings, Detmold

Die Firma Plantag Coatings in Detmold hat ein neues Arbeitszeitmodell entwickelt, das vor allem Eltern mehr Flexibilität ermöglicht. Vor Ort arbeiten bei Plantag 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weltweit sind insgesamt 240 Beschäftigte für den lippischen Lackhersteller tätig – in Labor, Produktion oder Verwaltung. Personalleiter Jörg Pohlmann erklärt, was es mit den neuen Regelungen auf sich hat.

 

Können Sie uns etwas über den Hintergrund Ihres Engagements erzählen?

Am Thema „familienfreundliche Arbeitswelt“ sind die Plantag Group und  auch ich schon länger interessiert. Wir sind zum Beispiel seit Jahren Mitglied beim FABEL-Service, der sich in der Region Lippe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzt. Darüber kam auch der Kontakt zur Väter gGmbH zustande, an deren Projekt „Ihr Erfolg hat viele Väter!“ wir uns beteiligt haben – für eine Personalpolitik, die auch die Väter anspricht. 

Das klingt nach einem innovativen Ansatz. Wie haben Ihre Beschäftigten darauf reagiert?

Für mich persönlich war der Ansatz von vornherein spannend, aber wir haben erst einmal im Betrieb recherchiert, ob das Thema auch Kolleginnen und Kollegen interessiert. Die Reaktion war einhellig positiv, sodass wir in Workshops unter der Leitung von Volker Baisch von der Väter gGmbH gemeinsam überlegt haben, wie und für wen sich die Arbeitszeit verändern könnte.

Was ist bei den Workshops herausgekommen?

Für unsere Beschäftigten in Verwaltung und Labor gibt es jetzt ein neues Arbeitszeitmodell mit Gleitzeit und flexiblen Regelungen, die vor allem Eltern mit Kindern entgegenkommen und die von Müttern und Vätern genutzt werden. Wenn nötig, können die Eltern familiäre Termine ohne den Einsatz von Urlaubstagen realisieren. Allerdings hat sich auch herausgestellt, dass die Idee der Flexibilisierung nicht für jeden passt. Das war eine wichtige Erkenntnis, die wir in den Workshops gewonnen haben.

Flexibilisierung gilt ja gemeinhin fast schon als Standard bei der Gestaltung familienfreundlicher Arbeitszeiten. Was ist bei Ihnen anders?

Dazu muss man wissen, dass wir im Unternehmen eine sehr gute „Feierabendkultur“ haben. Wenn man hier um 17:15 Uhr auf das Firmengelände kommt, ist kaum noch jemand da. Eine wichtige Erkenntnis, die wir gemeinsam herausgearbeitet haben: Vielen unserer Beschäftigten ist es wichtig, verbindlich zu wissen, wann ihr Arbeitstag aufhört. Das gilt auch und gerade für die Produktion, die meistens im Ein-Schicht-Betrieb arbeitet und für die das flexible Modell betriebsbedingt nicht gelten kann. Hier arbeiten übrigens die meisten unserer jüngeren Väter. Wenn doch mal Überstunden anfallen, lassen sie sich die Mehrarbeit allerdings am liebsten auszahlen.

Das heißt, den vielbeschworenen Mentalitätswandel in der jüngeren Vätergeneration können Sie in Ihrem Unternehmen (noch) nicht feststellen?

Doch, auch wir erleben, dass sich die Prioritäten geändert haben. Ein Beispiel: Vor 20 Jahren war einem neuen Außendienstler vor allem die PS-Stärke seines Dienstwagens und die Größe seines Reisegebiets wichtig. Heute gibt es eher den Wunsch nach einem familientauglichen Wagen und das Bedürfnis, so oft wie möglich nicht im Hotel, sondern zu Hause zu übernachten.

Welche Schlüsse haben Sie aus dem Prozess der Arbeitszeitflexibilisierung gezogen?

Ganz wichtig ist es, die Beschäftigten einzubeziehen, denn nur so kann ein Unternehmen herausfinden, wie der tatsächliche Bedarf aussieht. Es gibt nicht eine Lösung, die für alle passt. Die Arbeitszeitwünsche müssen kontinuierlich überprüft und die Regelungen gegebenenfalls angepasst werden. Das fällt uns als kleinerem Unternehmen relativ leicht, weil wir keine zu starren Strukturen haben und auch mal unkonventionell handeln können. Insgesamt war es ein lohnender Prozess, an dem die Beschäftigten abteilungsübergreifend und auf Augenhöhe teilgenommen haben und der sich positiv auf ihre Motivation ausgewirkt hat. Und wir stellen unsere familienfreundliche Unternehmenskultur jetzt mehr in den Vordergrund – als wichtigen Aspekt, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

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familie@beruf.nrw.de

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