Drei Fragen an Prof. Irene Gerlach

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 14. Februar 2020
Prof. Irene Gerlach

Drei Fragen an Prof. Irene Gerlach

Irene Gerlach ist wissenschaftliche Leiterin des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) in Münster und Professorin für Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule R-W-L in Bochum. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen des Bundesfamilienministeriums trägt sie aktiv zur Entwicklung der Familienpolitik des Bundes bei. Auf Landesebene treibt sie in NRW verschiedene familienpolitische Projekte voran. Gerade läuft das „Tandem-Projekt NRW“ an. Bei diesem Forschungsvorhaben lernen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Tandem voneinander.

 

Um welche Themen geht es beim Tandem-Austausch?

Um Themen, die nachweislich personalpolitische Zukunftsthemen sind: Unter anderem steht eine familienbewusste Personalpolitik im Vordergrund. Diese trägt den veränderten und sich verändernden Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung. Arbeitgeber stehen heute vor der Herausforderung, ihr Familienbewusstsein und eine moderne Arbeitskultur nach innen und nach außen zu transportieren. Insbesondere für KMU gibt es hier oft Hürden aufgrund von fehlenden Ressourcen. Allerdings sind viele Lösungen einfach zu haben – oft reichen Maßnahmen mit geringem Aufwand, um große Wirkung zu erzielen. Zum Beispiel: eine Ansprechperson für die Beschäftigten im Betrieb.

Was ist das Besondere an dem neuen Tandem-Projekt NRW?

Es ist in dieser Form einzigartig. Bei der Konzeptionierung des Projekts haben wir uns von Mentoring- und Coaching-Programmen aus der Personalentwicklung inspirieren lassen. Aber diesen Coaching-Ansatz auf einen ganzen Betrieb anzuwenden, ist innovativ. Erprobt und bewährt ist unser Konzept aber mittlerweile. Von 2015 bis 2018 haben wir in einem vorangegangenen Forschungsvorhaben das Unternehmenslernen zur Lebensphasenorientierten Personalpolitik untersucht. Das hat uns gezeigt, dass der Tandem-Ansatz ausgesprochen effektiv ist. Und dass sich Lücken im Maßnahmenportfolio eines Betriebes durch den direkten Praxisbezug schließen lassen. Im direkten Austausch konnten die Unternehmen gemeinsam Konzepte für Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und die Mitarbeiterbindung entwickeln. Nur durch Theorie und trockene Wissensvermittlung wären die Lösungsstrategien niemals so passgenau geworden. Es ist also ideal, dass uns das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in NRW die Chance gibt, an das erfolgreiche Konzept anzuknüpfen und dieses Mal auf eine neue Zielgruppe zuzuschneiden: auf KMU. Die Tandemphase, die von Frühjahr 2020 bis zum Sommer 2021 läuft, beinhaltet drei bis sechs Treffen pro Tandem, bei denen sich zwei nach einem Matching-Verfahren ausgewählte Tandems austauschen. 

Was macht aus Ihrer Sicht eine moderne, tragfähige Personalpolitik aus und inwiefern sind KMU hier im Vorteil?

Sie basiert auf einer breit angelegten Kommunikation, über alle Unternehmensebenen hinweg. Und das ist auch das große Pfund, mit dem KMU wuchern können: Denn hier sind Dienstwege oft kurz, Strukturen flexibel, der Betrieb ist kein behäbiges „Schiff“, das bewegt werden muss. Das, was KMU im Vergleich zu großen Konzernen manchmal nicht an monetären Anreizen und Karriereebenen bieten können, machen sie in der Unternehmenskultur wett: Indem sie auf Bedürfnisse eingehen und individuelle Lösungen für Mitarbeitende anbieten können – und das auf dem kurzen Dienstweg.

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familie@beruf.nrw.de

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