Chancen durch Vereinbarkeit – mit Fachleuten durch die Krise

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 5. Oktober 2020
Bild der Talkrunde beim virtuellen Business-Talk

Chancen durch Vereinbarkeit – mit Fachleuten durch die Krise

Business-Talk goes digital: Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Traditionsbäcker Josef Hinkel hatte NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp zur Premiere des virtuellen Business-Talks eingeladen und stellte eine zentrale Frage zur Diskussion: Geraten familienfreundliche Maßnahmen durch die Herausforderungen der Corona-Zeit ins Hintertreffen? Oder befördert Corona gar Schritte zu besserer Vereinbarkeit? Ein spannender Austausch zwischen Unternehmensvertreterinnen und -vertretern und Fachleuten aus der Wissenschaft.

 

„Hands on“ und Teamgeist

In einem Punkt gab es schnell Einigkeit: Der Zusammenhalt in den Teams und zwischen Belegschaft und Unternehmensleitung ist Grundvoraussetzung, um die Herausforderungen der Pandemie zu stemmen. Teamgeist und dazu die Hands-on-Mentalität im Mittelstand – Barbara Hagedorn, Geschäftsführerin der Hagedorn Management GmbH, beschrieb, dass ihr Unternehmen damit bisher gut durch die Krise gekommen ist. Flexibilität und kurze Wege seien Vorteile, mit denen gerade der Mittelstand punkten könne und die sich auch in der Corona-Pandemie bezahlt gemacht hätten. Arbeitspsychologe Professor Bertholt Meyer von der Universität Chemnitz bestätigte das auch mit Zahlen: „Jeder Euro, der in ein gutes Betriebsklima investiert wird, zieht fünf Euro wirtschaftlichen Nutzen nach sich.“ Und nicht zuletzt zahle das gute Miteinander auch ein auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Digitalisierung und Retraditionalisierung

Der Digitalisierungsschub, den die Unternehmen im Zuge der Krise erfahren haben, hat mit der starken Zunahme von Homeoffice und virtuellen Meetings auch einen Beitrag zu mehr Familienfreundlichkeit geleistet. Vorteile hatten dabei diejenigen Betriebe, bei denen das Arbeiten von zu Hause schon vorher etabliert war. „Ergänzend dazu haben wir die Arbeitszeiten flexibilisiert, um vor allem die Betreuung der Kinder zu erleichtern“, so Tanja Kliewe-Meyer, Geschäftsführerin der like a bird lifestyle GmbH, und sprach damit das Problem an, das viele Familien in den letzten Wochen und Monaten stark belastet hat. An diesem Punkt sprang ihr auch Familienminister Dr. Joachim Stamp zur Seite, forderte, dass die Politik mit dem Wissen von heute alles dafür tun müsse, die Zumutungen des Lockdowns vom Frühling 2020 nicht zu wiederholen und versicherte: „Durch unsere Bildungs- und Betreuungsgarantie wird es keine flächendeckende Schließung von Kitas und Schulen in NRW mehr geben.“ Auch wenn viele Mütter in dieser Zeit deutlich stärker belastet waren, könne man nicht pauschal von der vieldiskutierten Retraditionalisierung der Frauenrolle sprechen. Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, hat durch die stärkere Einbindung der Männer in die Familienarbeit auch positive Veränderungen wahrgenommen. Dies konnte Professorin Irene Gerlach vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) nur bestätigen, denn die Auswirkungen der Pandemie haben neue Impulse für die Aufteilung der familiären Sorgearbeit gegeben: „Vor allem in der Kinderbetreuung haben sich die Väter deutlich stärker engagiert“, berichtete die Politikwissenschaftlerin aus ihrer jüngsten Forschung.
 

Familienfreundlichkeit bleibt „systemrelevant“

Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmenden, dass die Frage nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch und gerade in der Pandemie weiter im Fokus stehe: Der Fachkräftemangel werde auf lange Sicht die Personalsituation der Betriebe beeinflussen, sodass Familienfreundlichkeit ein wesentliches Argument im Employer Branding bleibe. „Viele Unternehmen müssen sich bei potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewerben“, beschrieb Barbara Hagedorn die Lage. „Die jüngere Generation ist offener und weniger traditionell eingestellt, so dass nicht nur wir – als noch immer männerdominierter Betrieb – gut beraten sind, ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu schaffen.“ Andreas Ehlert, der neben seiner Funktion als Präsident der Düsseldorfer Handwerkskammer auch einen Schornsteinfegerbetrieb führt, wies darauf hin, wie wichtig Vorbilder und gelebte familienfreundliche Praxis seien: „Unternehmerinnen und Unternehmer müssen Vereinbarkeit leben, junge Frauen und auch ihr Nachwuchs müssen sich willkommen fühlen.“ Mehr Führungskräfte in Elternzeit, gerade auch im Handwerk, und eine partnerschaftlichere Aufteilung – hier könne auch der Gesetzgeber nachbessern, so Familienminister Dr. Joachim Stamp.

Solidarität auch in Zukunft

In der Gesamtschau zeigte sich Professor Meyer beeindruckt von der Resilienz und Flexibilität in Gesellschaft und Unternehmen während der Corona-Pandemie. Offen bleiben, innovative Wege gehen und unter den Kolleginnen und Kollegen solidarisch bleiben – dafür möchte sich Bäckermeister Josef Hinkel in der Zeit der Pandemie und darüber hinaus einsetzen. NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp äußerte abschließend die Hoffnung, dass die Gesellschaft wieder an die zwischenzeitlich etwas verloren gegangene Solidarität aus den Anfängen der Pandemie anknüpfen werde.
Damit schloss der erste virtuelle Business-Talk in Zeiten von Corona. Die Zuschauerinnen und Zuschauer nutzten danach noch die Möglichkeit, sich beim virtuellen Get-together zur Diskussion aber auch zu den eigenen Erfahrungen während der Corona-Pandemie auszutauschen.

Sollten Sie den Business-Talk live verpasst haben, können Sie sich die Diskussion nachträglich in der Aufzeichnung anschauen:

 

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Virtueller Business-Talk mit NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp

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Mehr dazu auf

familie@beruf.nrw.de

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