"In Bewegung bleiben, ohne die Balance zu verlieren" – Lebensphasen- und familienorientierte Personalpolitik in Zeiten der Krise

Gespeichert von FuB Chefredakteur am 14. April 2021
Porträtbild von Prof. Dr. Jutta Rump

„In Bewegung bleiben, ohne die Balance zu verlieren“ – Lebensphasen- und familienorientierte Personalpolitik in Zeiten der Krise

Welche Rolle spielt lebensphasen- und familienorientiere Personalpolitik für Unternehmen – jetzt in Zeiten der Krise und auf dem Weg ins „New Normal“, die sogenannte neue Normalität? Ein Gespräch mit Jutta Rump, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen.

 

Welches Ziel verfolgt eine lebensphasenorientiere Personalpolitik?

Ziel ist die Beschäftigungsfähigkeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu erhalten, egal ob Vater, Mutter, älterer Mitarbeiter oder Berufseinsteigerin. Kurz gesagt: Es geht darum, in Bewegung zu bleiben, ohne die Balance zu verlieren und die Vielfalt der Lebenssituationen mit der Vielfalt der Berufsphasen in Einklang zu bringen. Diese Balance können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur halten, wenn sie nach ihren Stärken und Talenten eingesetzt sind und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung haben. Deshalb basiert die lebensphasenorientierte Personalpolitik auf drei wesentlichen Säulen: 1. Entwicklung und Erhalt von Kompetenz und Qualifikation 2. Balance von Gesundheit und Wohlbefinden 3. Förderung von Motivation und Identifikation. 

Warum hilft dieser Ansatz gerade jetzt in Zeiten der Krise? 

In der aktuellen Krisensituation sind alle, Arbeitgeber wie Beschäftigte, sehr stark strapaziert. Wir erleben alle eine Ausnahmesituation, die sehr viel Energie erfordert und an unseren Kräften zehrt. Vor dem Hintergrund von Lockdown, Homeschooling und Homecare ist es wichtig, als Unternehmen zusammen mit den Beschäftigten nach Lösungen für individuelle Herausforderungen zu suchen. Ansonsten geht das Personal heillos unter und wird über kurz oder lang krank – vielleicht nicht jetzt direkt, weil viele noch ihre Kraftreserven mobilisieren, aber spätestens wenn die Krise vorbei ist. Ein Betrieb tut gut daran, auch in einer solchen Ausnahmesituation die Bedürfnisse der Beschäftigten im Blick zu haben. 

Welche Rolle wird Lebensphasenorientierung in der Arbeitswelt der „neuen Normalität“ spielen?

Im Umgang mit der zunehmenden Transformationsgeschwindigkeit brauchen Unternehmen gute Leute an Bord. Sie müssen dafür sorgen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen weiterhin produktiv den Wandel mitgestalten. Außerdem brauchen sie Leute, die ein hohes Maß an Identifikation und Motivation mitbringen. Lebensphasenorientierung wird hier eine sehr zentrale Rolle spielen, weil wir in der „neuen Normalität“ unterschiedliche Währungen haben werden. Dazu gehört nicht nur ein angemessenes Entgelt, sondern auch Purpose, der Sinn einer Arbeit, und ganz wichtig: Zeit. Zeitbalance ist eine zentrale Währung geworden, um die Güte eines Arbeitgebers zu messen. Deshalb müssen Arbeitgeber Konzepte in den Blick nehmen, die diese Balance regeln. 

Hat diese starke Individualisierung in der Personalpolitik nicht einen sehr hohen Planungsaufwand und eine gewisse Planungsunsicherheit zur Folge?

Nichts gibt es zum Nulltarif. Natürlich ist es deutlich aufwändiger, auf einzelne Bedürfnisse einzugehen, als alle gleich zu behandeln. Es gilt, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter in der jeweiligen Lebenssituation abzuholen und das passende Modell zu finden. Vielleicht lassen sich Cluster bilden, aber es sollten regelmäßig individuelle Mitarbeitergespräche stattfinden. Das hat auf jeden Fall einen erhöhten Planungsaufwand zur Folge. Ökonomisch betrachtet muss sich jeder Betrieb die Frage stellen: Lohnt sich diese Investition? 

Wieso lohnt es sich?

Unternehmen betrachten bei der Lebensphasenorientierung nicht nur die Produktivität, sondern auch Faktoren wie Wettbewerbsfähigkeit oder Attraktivität als Arbeitgeber. Gute Leute können sich auch in der neuen Normalität ihre Arbeitsplätze aussuchen. Bewerberinnen und Bewerber schauen sich die unterschiedlichen Faktoren an und prüfen, ob das Unternehmen Versprechen tatsächlich einlöst. Kein junger Mensch kann es sich heute leisten, ausgepresst zu werden wie eine Zitrone, dann hält er nicht fünfzig Jahre im Arbeitsleben durch. Das heißt, sie wählen Arbeitgeber aus, die mit ihnen zusammen an ihrer Beschäftigungsfähigkeit arbeiten. Nur dann gehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber in diese neuen Welten hinein, die durch eine zunehmende Dynamik und Wettbewerbsintensität gekennzeichnet sein werden. Deshalb sollte die Grundphilosophie der Lebensphasenorientierung mitgedacht werden, weil sie sich immer rechnet. 

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familie@beruf.nrw.de

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