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„Allen Bedürfnissen gerecht zu werden erfordert viel Flexibilität und Verständnis“

Porträtbild Silke Eilers

„Allen Bedürfnissen gerecht zu werden erfordert viel Flexibilität und Verständnis“

Silke Eilers arbeitet am Institut für Beschäftigung und Employability IBE. Als Projektleiterin von „ZEITREICH“ erforschte sie mit ihrem Team, wie sich Arbeit im Rahmen von neuen und flexibleren Prozessen so organisieren lässt, dass sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgebende davon profitieren. Im Interview geht es um die Frage: Wie können die verschiedenen Vereinbarkeitsinteressen von Mitarbeitenden Berücksichtigung finden?

Welche unterschiedlichen Interessen können in Bezug auf das Thema Vereinbarkeit auftreten?

Vereinbarkeit wird häufig auf die Kinderbetreuung reduziert. In Wirklichkeit ist das aber ein Thema, das uns durch alle Lebensphasen hinweg begleitet. Es kann immer Gründe geben, Arbeitszeiten flexibel gestalten oder in Teilzeit arbeiten zu wollen. Die eine möchte sich nebenberuflich weiterbilden, der andere pflegt seine Eltern und eine dritte Person braucht aktuell viel zusätzliche Energie für den Bau ihres Hauses. Über ein Erwerbsleben hinweg kommt es immer wieder zu Situationen, in denen man sich fragt: Wie bekomme ich das alles unter einen Hut? In einem Team können deswegen auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse auftreten. Ihnen allen gerecht zu werden erfordert viel Flexibilität und Verständnis – von Seite der Arbeitgebenden, aber auch unter den Kolleginnen und Kollegen.

Wie lassen sich die Bedarfe aller Mitarbeitenden gut im Blick behalten?

Arbeitgebende sollten immer prüfen, dass Maßnahmen möglichst vielen dienen. Eine flexible Arbeitszeitgestaltung und Homeoffice-Möglichkeiten bringen nicht nur den Beschäftigten mit Kindern etwas, sondern auch denjenigen, die ein zeitintensives Hobby haben oder sich ehrenamtlich engagieren. Diese Möglichkeiten sollten dann natürlich auch wirklich allen offen stehen. Bei aller Flexibilität muss es aber auch Verlässlichkeit geben. Dafür ist es wichtig, dass die Team-Mitglieder über ihre jeweiligen Bedarfe sprechen können. So können sie sich gegenseitig besser verstehen und Vereinbarungen treffen. Wenn die eine Person nachmittags zum Beispiel immer pünktlich gehen muss, weil sie ihr Kind abholen muss, kann die andere dafür vielleicht freitags frei nehmen. Dieses Geben und Nehmen sorgt für Verständnis füreinander und gegenseitige Akzeptanz. Diese Kultur zu etablieren, fordert viel Fingerspitzengefühl der Führungskräfte.

Was haben die Unternehmen davon, wenn sie die Bedarfe aller Mitarbeitenden berücksichtigen?

Ein wichtiger Aspekt ist die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten. Arbeitgebende haben nichts davon, wenn sich die Mitarbeitenden überarbeiten. Das wirkt sich am Ende negativ auf die Arbeitsqualität und das Engagement aus. Und im schlimmsten Fall folgt die Kündigung. Das führt uns auch schon zum zweiten zentralen Punkt, der Mitarbeiterbindung. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, die Mitarbeitenden als gesamte Menschen zu sehen und wertzuschätzen. Dazu gehört eben, anzuerkennen, dass sie auch ein Leben außerhalb der Arbeit haben. Seit Jahren zeigen Befragungen gerade unter jüngeren Menschen immer wieder, dass sie darauf bei der Wahl ihres Arbeitgebenden Wert legen.